A letter from May 31, 2025

Time Travelled — about 1 year

Peaceful right?

Liebes zukünftiges Ich, wenn du das hier liest, ist all das, was ich gerade durchmache, schon hinter dir. Wir haben es irgendwie geschafft und auch wenn ich nicht weiß wie, weiß ich, dass wir es getan haben. Ich schreibe dir diesen Brief, weil ich will, dass du dich daran erinnerst. An alles, was war. Und an alles, was du allein getragen hast. Wir sind vor nicht allzu langer Zeit von zuhause raus. Endlich. Nach Jahren voller innerer Konflikte. Und auch wenn es sich frei anfühlt, ist es gleichzeitig scheiß einsam. Keine echten sozialen Kontakte, keine Nähe, keine Stimme, die einen einfach mal auffängt. Nur Arbeit, Schule und dieses Gefühl, dass man irgendwie unsichtbar ist. Ich wünsche mir gerade nichts mehr als dass einfach jemand da ist. Jemand, der sieht, wenn es zu viel wird oder wenn ich etwas brauche ohne dass ich etwas sagen muss. Jemand, der fragt, wie’s mir wirklich geht. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil es ihn wirklich interessiert. Ich bin so müde, immer auf "Alles im Griff, das war die beste Entscheidung meines Lebens", zu tun. Vorallem weil es sich gerade absolut nicht so richtig anfühlt. Und ich bin noch müder davon, keine Priorität für irgendwen zu sein. Die Angst ist ständig da. Finanziell, organisatorisch. Alles lastet auf mir. Führerschein, Wohnung, Versicherung, Strom, Wohngeld... Ich weiß kaum, wo ich anfangen soll. Und ich weiß auch, dass niemand kommt, um mich da durchzuführen. Ich muss das alleine machen. Und genau deshalb will ich, dass du diesen Brief liest und weißt: Ich bin stolz auf uns. Auch wenn es gerade verdammt schwer ist. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, ich dürfte gar nicht zur Tafel gehen, weil es mir vielleicht nicht „schlecht genug“ geht. Auch wenn ich nicht weiß, wie ich sparen soll für alles, was noch kommt. Ich habe trotzdem nie aufgehört, daran zu glauben, dass es besser wird. Dass wir da durchkommen. (Das ist eine Halbwahrheit oder Ganzlüge. Ich hab verdammt oft das Gefühl, dass wir da nicht durchkommen und in einem Jahr nicht mehr existieren, weil ich das drückende Gefühl auf der Brust nicht mehr aushalten kann. Wie kann das aber auch immer und immer schwerer werden, obwohl ich schon seit Monaten das Gefühl habe, dass das garnicht mehr möglich ist???) Sorry, das war ein kleiner Gefühlsausrutscher am Rande...anyways Ich hoffe, Hope geht es gut. Ich frage mich, ob sie sich jetzt einsam fühlt. So wie ich. Ob es die richtige Entscheidung war, sie kurzzeitig woanders unterzubringen. Und ob du ihr inzwischen eine zweite Katze geholt hast, damit sie nicht allein ist. Hast du das getan? Wie läuft die Ausbildung? Wie war die Zwischenprüfung? Machst du schon Lufus? Und was ist aus dem Verhältnis zur Familie geworden? Haben sie dich endlich losgelassen oder versuchst du noch immer, dich abzugrenzen? Gibts kleine große Veränderungen? Neue Tattoos, Piercings, Konzerte, Haarfarbe und -style, Kleidungsstil, Hobbies, Musik, Einrichtungsgeschmack, Sind wa Camel treu geblieben oder hast du schon wieder gecheated? Hast du deinen Namen geändert? Ich glaube nicht, weil das Geld wahrscheinlich immernoch knapp ist, ich würds aber gerne wissen. Aber vor allem frage ich dich: Hat es sich gelohnt? Hat sich das Alleinsein gelohnt, die Unsicherheit, das Aushalten? Hat es sich gelohnt, diese Freundschaften loszulassen, die dich ausgelaugt haben, auch wenn danach kaum noch jemand da war? Ich wünsche mir, dass du sagen kannst: Ja. Es hat sich gelohnt. Und wenn nicht, dann will ich dir sagen: Du bist trotzdem nicht gescheitert. Du bist gegangen, du hast dich bewegt, du hast versucht. Das zählt. Immer. Ich wünsche mir, dass du stolz auf dich bist, wie ich es jetzt schon bin. Dass du den Mut und die Hoffnung (HOPE MENTIONED!!!!:) behältst, egal wie schwer es wird. Und dass du dich daran erinnerst: Du bist stark, du bist nicht allein, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Ich habe dich lieb, und ich glaube an dich. <3 Cam. 31'05'25 1:15am

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